Werkzeuge auswählen
Vom Vorgang zum Werkzeug statt umgekehrt: welche Fragen die Auswahl bestimmen und welche Kriterien in der Praxis den Ausschlag geben.
Die Reihenfolge
- 01
Vorgang benennen
Häufig, prüfbar, mit Vergleichswert. Ohne diesen Schritt fehlt jedes Kriterium.
- 02
Anforderungen ableiten
Welche Datenarten, welche Anbindung, welche Ausgabeform, welche Prüfschritte.
- 03
Zwei bis drei Kandidaten prüfen
Am eigenen Eval-Set, nicht an einer Vorführung.
- 04
Vertrag und Ausstieg klären
Bevor entschieden wird, nicht nach der Einführung.
Die Kriterien, geordnet nach Gewicht
| Kriterium | Warum es zählt |
|---|---|
| Passung zum Vorgang | Ein Werkzeug ohne Vorgang wird nicht benutzt |
| Datenverarbeitung | AV-Vertrag, Standorte, Unterauftragnehmer, Trainingsausschluss |
| Anbindung an eigene Quellen | Ohne Abruf keine belegbaren Antworten |
| Rechte und Mandantentrennung | Wer sieht was, technisch durchgesetzt |
| Protokollierung | Was das Werkzeug selbst mitschreibt und exportiert |
| Ausgabeform | Strukturierte Ausgabe, sobald weiterverarbeitet wird |
| Modellwechsel | Wird angekündigt, oder passiert er still |
| Ausstieg | Export der eigenen Inhalte, Frist, Format |
| Preis | Zuletzt, weil er ohne die Punkte davor bedeutungslos ist |
Was in die Ausschreibung gehört
- Verarbeitungsorte und vollständige Unterauftragnehmerliste, mit Änderungsanzeige.
- Ausschluss der Nutzung von Ein- und Ausgaben zu Trainingszwecken, technisch belegt.
- Ankündigungspflicht bei Modellwechseln, mit Frist.
- Angaben zu Genauigkeit, Grenzen und vorhersehbarer Fehlanwendung, bei Hochrisiko als Gebrauchsanweisung.
- Exportformat und Frist für die eigenen Inhalte nach Vertragsende.
- Protokolle: was erfasst wird, wie lange, und ob es exportierbar ist.
- Prüfrechte, die über die Vorlage eines Zertifikats hinausgehen.
Kaufen, bauen oder anbinden
| Weg | Wann sinnvoll | Preis |
|---|---|---|
| Fertiges Werkzeug | Standardvorgang, kein Sonderbedarf | schnell, weniger Kontrolle |
| Eigene Anwendung auf einer Schnittstelle | Eigene Daten, eigener Ablauf | mittlerer Aufwand, volle Kontrolle über den Ablauf |
| Lokales Modell | Daten dürfen nicht heraus | höchster Aufwand, volle Kontrolle |
Die mittlere Zeile wird unterschätzt. Eine schlanke eigene Anwendung über eine Schnittstelle ist oft in Tagen gebaut, bindet die eigenen Quellen an und protokolliert genau das, was gebraucht wird.
Der Ausstieg als Kriterium
- Lassen sich Prompts, Vorlagen und eigene Inhalte exportieren, in einem lesbaren Format?
- Bleiben Protokolle nach Vertragsende verfügbar, solange die Aufbewahrungsfrist läuft?
- Gibt es einen geprobten Ausweichpfad, etwa auf ein lokales Modell?
- Wie lange dauert ein Wechsel realistisch, gemessen und nicht geschätzt?
Der letzte Punkt gehört einmal tatsächlich durchgespielt. Ein Ausweichpfad, der nur auf dem Papier steht, ist im Ernstfall keiner. Siehe Lokale Modelle.