KI‑Kompass
Kompass

Der EU AI Act im Überblick

Was die Verordnung regelt, wen sie trifft, wie sie aufgebaut ist und welche vier Fragen jede Organisation für sich beantworten muss.

·2 Min. Lesezeit·Von Fachbereich Governance
DETAILGRAD
3 Abschnitte

Die vier Fragen

  1. 01

    Welche Systeme setzen wir ein?

    Ohne ein Inventar ist keine der folgenden Fragen beantwortbar.

  2. 02

    Sind wir Anbieter oder Betreiber?

    Betreiber im Regelfall. Anbieter, wer entwickelt, wesentlich verändert oder unter eigenem Namen anbietet.

  3. 03

    In welche Klasse fällt jedes System?

    Verboten, hochriskant, mit Transparenzpflicht oder ohne besondere Pflichten.

  4. 04

    Welche Pflichten folgen daraus, und wer erfüllt sie?

    Mit Namen, nicht mit Abteilungen.

Der Aufbau in einem Bild

KlasseBeispielFolge
VerbotenSoziale Bewertung, Emotionserkennung am ArbeitsplatzEinsatz unzulässig
HochrisikoBewerberauswahl, Kreditwürdigkeit, PrüfungsbewertungVolle Pflichtenlage
TransparenzpflichtChatbot, erzeugte Bilder und TexteOffenlegen und kennzeichnen
ÜbrigeRechtschreibprüfung, TicketeinordnungKeine besonderen Pflichten

Wen die Verordnung trifft

RolleWer das ist
AnbieterEntwickelt oder bringt unter eigenem Namen in Verkehr
BetreiberSetzt in eigener Verantwortung ein
Einführer und HändlerBringt Systeme aus Drittländern in den Binnenmarkt
BevollmächtigterVertritt einen Anbieter aus einem Drittland

Der räumliche Anwendungsbereich ist weit: Die Verordnung greift auch, wenn ein Anbieter außerhalb der EU sitzt, das Ergebnis aber in der EU verwendet wird.

Was für Betreiber gilt

  • KI-Kompetenz der einsetzenden Personen sicherstellen, gilt für alle Systeme.
  • Bei Hochrisiko: Gebrauchsanweisung befolgen, menschliche Aufsicht durch geeignete Personen, Eingabedaten prüfen, Protokolle aufbewahren.
  • Betroffene informieren, wenn ein Hochrisikosystem sie betrifft.
  • Bei Transparenzpflicht: offenlegen, dass ein System spricht oder ein Inhalt erzeugt ist.
  • Ernsthafte Vorfälle dem Anbieter und der Marktüberwachung melden.

Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck

Für GPAI-Modelle gilt ein eigener Abschnitt. Anbieter solcher Modelle müssen unter anderem technische Dokumentation führen, Informationen für nachgelagerte Anbieter bereitstellen, eine Urheberrechtspolitik unterhalten und eine hinreichend detaillierte Zusammenfassung der Trainingsinhalte veröffentlichen.

Oberhalb eines Schwellenwerts an Trainingsrechenleistung gelten zusätzliche Anforderungen wegen systemischer Risiken: Modellbewertung, Risikominderung, Vorfallsmeldung und Cybersicherheit.

Das Zusammenspiel mit anderem Recht

RechtVerhältnis
DSGVOGilt daneben. Der AI Act ersetzt keine Rechtsgrundlage.
ProduktsicherheitsrechtAnhang I verweist darauf; Konformitätsbewertung wird integriert
MaschinenverordnungZusätzliche Anforderungen an Sicherheitsfunktionen
UrheberrechtText- und Data-Mining-Schranke, Vorbehalt des Rechteinhabers
ArbeitsrechtMitbestimmung und Beschäftigtendatenschutz bleiben unberührt

Was zuerst zu tun ist

  • Ein Inventar aller eingesetzten Systeme aufbauen, einschließlich der über Fachanwendungen eingebetteten.
  • Rolle je System bestimmen und dokumentieren.
  • Klasse je System bestimmen, mit Begründung.
  • KI-Kompetenz nachweisbar herstellen, weil diese Pflicht unabhängig von der Klasse gilt.
  • Einen Freigabeprozess einführen, damit neue Systeme nicht am Inventar vorbeilaufen.

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