KI‑Kompass
Kompass

Freigabeprozess

Wie ein KI-Einsatz geprüft, entschieden und dokumentiert wird, ohne dass daraus ein Verfahren wird, das Schatten-KI erzeugt.

·2 Min. Lesezeit·Von Fachbereich Governance
DETAILGRAD
2 Abschnitte

Zwei Wege

WegWannDauerEntscheidung
SchnellKeine personenbezogenen Daten, kein Anhang III, freigegebenes WerkzeugTageFachbereich mit Checkliste
GründlichPersonenbezug, neuer Anbieter, Anhang III, BeschäftigtendatenWochenBenannte Stelle mit Recht und Datenschutz

Der schnelle Weg ist der wichtigere. Wenn er fehlt, laufen auch die risikoarmen Fälle am Verfahren vorbei, und das Inventar wird unvollständig.

Die Checkliste für den schnellen Weg

  • Welcher Vorgang, wie häufig, mit welchem erwarteten Ergebnis?
  • Welche Daten fließen tatsächlich in die Eingabe?
  • Ist das Werkzeug freigegeben, und für diese Datenart?
  • Wer prüft die Ausgabe, bevor sie das Haus verlässt?
  • Wer ist verantwortlich, namentlich?

Fünf Fragen, eine Seite, eine Entscheidung. Wenn eine Antwort „unklar“ lautet, geht der Fall in den gründlichen Weg.

Der gründliche Weg

  1. 01

    Zweck und Abgrenzung schriftlich

    Was das System tun soll und was ausdrücklich nicht. Das bestimmt die Einstufung.

  2. 02

    Rolle und Klasse bestimmen

    Anbieter oder Betreiber, Klasse nach AI Act, mit Begründung.

  3. 03

    Datenschutz prüfen

    Rechtsgrundlage, Zweckbindung, Auftragsverarbeitung, Drittlandbezug, Folgenabschätzung falls nötig.

  4. 04

    Beteiligung klären

    Betriebsrat oder Personalvertretung, wo Beschäftigte betroffen sind.

  5. 05

    Entscheiden und eintragen

    Mit Auflagen, Prüfzyklus und benannter Verantwortung.

Der Inventareintrag

FeldInhalt
System und VersionWas genau, in welchem Stand
Zweck und AbgrenzungWofür, und ausdrücklich wofür nicht
RolleAnbieter oder Betreiber, mit Begründung
KlasseNach AI Act, mit Begründung und Datum
DatenkategorienWas tatsächlich verarbeitet wird
RechtsgrundlageMit Verweis auf die Abwägung, falls einschlägig
Anbieter und VerträgeAV-Vertrag, Standorte, Unterauftragnehmer
Verantwortliche PersonNamentlich
Aufsichtführende PersonNamentlich, bei Hochrisiko
AuflagenWas gilt, damit die Freigabe trägt
Prüfzyklus und DatumWann erneut zu prüfen ist

Diese Tabelle ist zugleich die Antwort auf eine Aufsichtsanfrage. Wer sie führt, muss im Ernstfall nichts zusammensuchen.

Auslöser für eine erneute Prüfung

  • Wechsel des zugrundeliegenden Modells, auch durch den Anbieter ohne Ankündigung.
  • Erweiterung des Einsatzzwecks oder des Nutzerkreises.
  • Neue Datenkategorien in der Eingabe.
  • Wechsel des Anbieters oder eines Unterauftragnehmers.
  • Vorfall oder auffällige Verschlechterung der Güte.
  • Ablauf des Prüfzyklus.

Die erste Zeile verlangt eine vertragliche Vorkehrung: Der Anbieter muss verpflichtet sein, Modelländerungen anzukündigen. Ohne diese Klausel ist der Auslöser nicht bemerkbar.

Schatten-KI einfangen

  1. 01

    Suchen statt fragen

    Netzwerkprotokolle und Ausgabenabrechnungen auf Anbieterzugriffe prüfen. Das findet mehr als jede Umfrage.

  2. 02

    Amnestie

    Wer meldet, bekommt geprüft statt sanktioniert. Ohne diese Zusage meldet niemand.

  3. 03

    Schnell entscheiden

    Die gemeldeten Fälle innerhalb von zwei Wochen bescheiden, sonst verpufft die Amnestie.

  4. 04

    Alternative anbieten

    Ein Verbot ohne Ersatz erzeugt nur besser versteckte Schatten-KI.

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