KI‑Kompass
Kompass

Wie KI Bilder versteht

Eine Landkarte der Sehaufgaben: Klassifikation, Erkennung, Segmentierung, Verfolgung. Was jede davon liefert und welche Genauigkeit realistisch ist.

·2 Min. Lesezeit·Von Fachredaktion Technik
DETAILGRAD
3 Abschnitte

Die Idee

Ein Bild ist für einen Rechner eine Tabelle von Helligkeitswerten. Alles, was wir „sehen" nennen, ist die Übersetzung dieser Tabelle in eine Aussage: Was ist das? Wo ist es? Wie viele sind es? Hat sich etwas verändert?

Die sechs Aufgabentypen

AufgabeWas herauskommtBeispiel
KlassifikationEin Etikett je BildIst das ein Lieferschein?
ObjekterkennungRechtecke mit EtikettenWie viele Paletten stehen im Bild?
SegmentierungEin Etikett je PixelWelche Fläche ist beschädigt?
SchlüsselpunktePunkte je ObjektKörperhaltung, Passbildkontrolle
VerfolgungObjekte über die ZeitZählt jemanden nicht doppelt
WiedererkennungÄhnlichkeit zweier BilderGleicher Artikel, gleiche Person

Die Kosten der Annotation

Der Aufwand steigt drastisch mit der Aufgabe. Grobe Erfahrungswerte je Bild:

AufgabeZeit je BildFür 5.000 Bilder
Klassifikation2 bis 5 Sekunden3 bis 7 Stunden
Objekterkennung20 bis 60 Sekunden28 bis 83 Stunden
Segmentierung3 bis 15 Minuten250 bis 1.250 Stunden

Diese Tabelle beantwortet die meisten Projektfragen vor der ersten Zeile Code. Wenn Segmentierung nicht zwingend ist, ist sie meist die falsche Wahl.

  1. 01

    Die einfachste Aufgabe wählen, die das Problem löst

    Muss die Fläche wirklich pixelgenau sein, oder reicht ein Rechteck?

  2. 02

    Aufnahmebedingungen festschreiben

    Kamera, Abstand, Beleuchtung, Hintergrund. Das ist wirksamer als jede Modellwahl.

  3. 03

    Klassisch prüfen, bevor gelernt wird

    Schwellwert, Kante, Farbmaske. Wenn das reicht, ist es die bessere Lösung.

  4. 04

    Vortrainiertes Modell feinabstimmen

    Erst danach, und mit möglichst wenigen eigenen Bildern.

Was sich wirklich ändert

Der Sprung der letzten Jahre liegt nicht in besseren Faltungen, sondern in vortrainierten Repräsentationen. Ein auf hunderten Millionen Bild-Text-Paaren trainiertes Modell liefert Merkmale, mit denen eine neue Aufgabe mit einigen hundert statt einigen hunderttausend Beispielen lösbar wird.

AnsatzNötige eigene BilderTypische Güte
Von Grund auf trainiert50.000+Hoch, wenn Daten reichen
Vortrainiert, letzte Schicht neu200 bis 2.000Meist besser als von Grund auf
Vortrainiert, vollständig feinabgestimmt1.000 bis 20.000Bestes Ergebnis
Zero-Shot über Bild-Text-Modell0Für grobe Sortierung brauchbar

Durchgerechnet: was ein Bild an Rechenaufwand kostet

Der Aufwand eines Sehmodells lässt sich vor jeder Beschaffung abschätzen. Für eine Faltungsschicht gilt:

Rechenaufwand einer Faltungsschicht

MACs = H · W · k² · C_in · C_out

Multiplikationen sind Ausgabefläche mal Kernfläche mal Eingangskanäle mal Ausgangskanäle.

H, W
Höhe und Breite der Ausgabekarte
C_in
Anzahl der Eingangskanäle
C_out
Anzahl der Ausgangskanäle
k
Kantenlänge des Kerns

Für eine Schicht mit 224 × 224 Ausgabe, 3 × 3 Kern, 64 Eingangs- und 64 Ausgangskanälen sind das 224 · 224 · 9 · 64 · 64 ≈ 1,85 · 10⁹ Multiplikationen, also rund 3,7 GFLOPs für eine einzige Schicht. Ein vollständiges Netz mittlerer Größe liegt bei 4 bis 20 GFLOPs je Bild.

Daraus folgt der Durchsatz: eine Karte mit 40 nutzbaren TFLOPs schafft bei 8 GFLOPs je Bild theoretisch 40.000 / 8 = 5.000 Bilder je Sekunde, praktisch wegen Speicherbandbreite und Vorverarbeitung eher 500 bis 1.500. Für eine Sichtprüfung mit 20 Teilen je Minute ist das um Größenordnungen zu viel, für eine Videoanalyse über 50 Kameras zu wenig. Siehe Speicher und Bandbreite.

Der rechtliche Rahmen

Bildverarbeitung berührt den AI Act an mehreren Stellen zugleich:

  • Biometrische Fernidentifizierung in öffentlich zugänglichen Räumen ist grundsätzlich verboten, mit engen Ausnahmen.
  • Emotionserkennung am Arbeitsplatz und in Bildungseinrichtungen ist verboten.
  • Biometrische Kategorisierung nach sensiblen Merkmalen ist verboten.
  • Zugangskontrolle, Prüfung sicherheitskritischer Bauteile und Bewerberauswahl fallen regelmäßig unter Hochrisiko nach Anhang III.
  • Selbst eine reine Zählung von Personen erhebt personenbezogene Daten, sobald einzelne Personen erkennbar sind.

Die praktische Folge: Bei jedem Kamerasystem steht die Frage nach dem Zweck vor der Frage nach dem Modell. Siehe Risikoklassen und Gesichtserkennung.

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Die Arbeit, die zeigte, dass Tiefe mit kleinen Filtern schlägt. Der Aufbau, an dem Faltungsnetze üblicherweise erklärt werden.

Für den Einstieg in Faltungsnetze; der Aufbau, an dem sie üblicherweise erklärt werden.

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