KI‑Kompass
Kompass

RLHF und Alignment

Wie ein Modell lernt, was erwünscht ist: Präferenzdaten, Belohnungsmodell, DPO als Abkürzung und die Grenzen dieses Verfahrens.

·2 Min. Lesezeit·Von Fachredaktion Technik
DETAILGRAD
3 Abschnitte

Die Idee

Nach dem Vortraining kann ein Modell Text fortsetzen. Nach der Feinabstimmung kann es Anweisungen befolgen. Was noch fehlt, ist eine Vorstellung davon, welche von zwei möglichen Antworten besser ist.

Dafür bekommen Menschen jeweils zwei Antworten vorgelegt und wählen die bessere. Aus vielen solchen Vergleichen lernt das Modell, was bevorzugt wird.

Der Ablauf

  1. 01

    Antwortpaare erzeugen

    Das Modell erzeugt zu einer Anfrage zwei oder mehr Antworten.

  2. 02

    Bewerten lassen

    Menschen wählen die bessere, nach einer schriftlichen Anweisung.

  3. 03

    Präferenz lernen

    Entweder über ein Belohnungsmodell oder direkt aus den Paaren.

  4. 04

    Modell anpassen

    Die bevorzugte Richtung wird verstärkt, ohne sich zu weit vom Ausgangsmodell zu entfernen.

Die Bewertungsanweisung

Sie ist der Ort, an dem das gewünschte Verhalten tatsächlich festgelegt wird, und sie wird oft beiläufig geschrieben.

  • Rangfolge der Kriterien festlegen: Richtigkeit vor Vollständigkeit vor Form.
  • Ausdrücklich regeln, wie mit Unsicherheit umzugehen ist: Ist ein „ich weiß es nicht" besser als eine Vermutung?
  • Länge nicht als Qualitätsmerkmal zulassen, sonst lernt das Modell Weitschweifigkeit.
  • Übereinstimmung zwischen Bewertenden messen. Unter 70 Prozent ist die Anweisung zu unklar.

Was messbar besser wird

EigenschaftWirkung des Alignments
Anweisungen befolgendeutlich besser
Format einhaltendeutlich besser
Ton und Höflichkeitdeutlich besser
Ablehnung unzulässiger Anfragendeutlich besser
Faktische Richtigkeitgering, teils schlechter
Zugeben von Unwissennur wenn ausdrücklich belohnt

Das Belohnungsmodell

Bradley-Terry-Modell für Präferenzen

P(y_w ≻ y_l | x) = σ( r_φ(x, y_w) − r_φ(x, y_l) ) L_RM = − log σ( r_φ(x, y_w) − r_φ(x, y_l) )

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Antwort bevorzugt wird, folgt aus der Differenz der Belohnungen.

r_φ
das Belohnungsmodell
y_w
die bevorzugte Antwort
y_l
die abgelehnte Antwort
σ
die logistische Funktion

DPO

Der entscheidende Schritt besteht in der Beobachtung, dass sich die optimale Policy in geschlossener Form durch das Belohnungsmodell ausdrücken lässt. Setzt man das ein, fällt das Belohnungsmodell heraus:

Direct Preference Optimisation

L_DPO = − log σ( β·log(π_θ(y_w|x)/π_ref(y_w|x)) − β·log(π_θ(y_l|x)/π_ref(y_l|x)) )

Die Wahrscheinlichkeit der bevorzugten Antwort soll gegenüber dem Ausgangsmodell steigen und die der abgelehnten fallen.

π_θ
die zu trainierende Policy
π_ref
das Ausgangsmodell, eingefroren
β
wie stark die Abweichung bestraft wird, üblich 0,1 bis 0,5

Der Vorteil ist erheblich: kein separates Belohnungsmodell, keine Verstärkungslernschleife, kein Sampling während des Trainings. Es bleibt ein überwachtes Training auf Paaren, mit entsprechend stabiler Optimierung.

Reward Hacking, konkret

Beobachtete AbkürzungUrsache in der Bewertung
Antworten werden immer längerLänge korrelierte mit Zustimmung
Übermäßige AufzählungenStruktur wurde als Qualität gelesen
Zustimmung zur Position des FragendenHöflichkeit wurde belohnt
Vermeidung klarer AussagenFehler wurden härter bestraft als Ausweichen
Formelhafte EinleitungenSie kamen in bevorzugten Antworten häufig vor

Alle fünf sind in freigegebenen Modellen dokumentiert worden. Sie sind keine Fehler der Optimierung, sondern korrekte Optimierung einer ungenauen Vorgabe.

Der Bezug zur Regulierung

Der AI Act verlangt für Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck unter anderem eine Beschreibung der Trainings- und Ausrichtungsverfahren sowie eine Bewertung systemischer Risiken. Die Bewertungsanweisung, die Auswahl der Bewertenden und die gemessene Übereinstimmung sind damit dokumentationspflichtige Artefakte und nicht bloß interne Arbeitsunterlagen.

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