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Wahrscheinlichkeit

Bedingte Wahrscheinlichkeit, der Satz von Bayes und warum ein Modell mit 99 Prozent Trefferquote trotzdem meistens falschliegen kann.

·2 Min. Lesezeit·Von Fachredaktion Technik
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3 Abschnitte

Die Idee

Wahrscheinlichkeit ist ein Maß für Unwissen, nicht für Zufall. Wenn ein Modell sagt, ein Dokument sei „mit 87 Prozent eine Rechnung", heißt das: unter allen Dokumenten, die so aussehen wie dieses, waren in den Trainingsdaten 87 Prozent Rechnungen.

Wozu es gut ist

Jede Ausgabe eines Sprachmodells ist eine Wahrscheinlichkeitsverteilung über das gesamte Vokabular. Jede Klassifikation ist eine Verteilung über Klassen. Wer diese Zahlen lesen kann, erkennt, wann ein Modell rät.

Das Beispiel, das alles erklärt

Ein Prüfsystem erkennt betrügerische Rechnungen mit 99 Prozent Trefferquote und 1 Prozent Fehlalarmquote. Von 10.000 Rechnungen sind 10 betrügerisch.

tatsächlich Betrugtatsächlich in OrdnungSumme
System schlägt an9,999,9109,8
System schweigt0,19.890,19.890,2
Summe109.99010.000

Von 109,8 Alarmen sind 9,9 echt. Das sind 9 Prozent. Neun von zehn Alarmen sind Fehlalarme, obwohl das System zu 99 Prozent „richtig" arbeitet.

def posterior(prevalence, sensitivity, specificity):
    tp = prevalence * sensitivity
    fp = (1 - prevalence) * (1 - specificity)
    return tp / (tp + fp)

print(round(posterior(0.001, 0.99, 0.99), 4))   # 0.0902
print(round(posterior(0.100, 0.99, 0.99), 4))   # 0.9167

Dieselbe Modellgüte, zwei Größenordnungen Unterschied im Nutzen.

Die Formeln

Bedingte Wahrscheinlichkeit und Satz von Bayes

P(A|B) = P(B|A) · P(A) / P(B) P(B) = P(B|A) · P(A) + P(B|¬A) · P(¬A)

Die gesuchte Wahrscheinlichkeit ist die umgekehrte, multipliziert mit der Basisrate und geteilt durch die Gesamthäufigkeit der Beobachtung.

P(A)
die Basisrate von A, bevor etwas beobachtet wurde
P(B|A)
wie oft B eintritt, wenn A gilt
P(A|B)
was man wissen will: wie oft A gilt, wenn B beobachtet wurde

Wo das im Modell selbst steckt

Ein autoregressives Sprachmodell zerlegt die Wahrscheinlichkeit einer ganzen Sequenz über die Kettenregel der Wahrscheinlichkeit:

Autoregressive Zerlegung

P(x₁…xₙ | θ) = Πᵢ P(xᵢ | x₁…xᵢ₋₁, θ)

Die Wahrscheinlichkeit eines Textes ist das Produkt der Wahrscheinlichkeiten jedes Tokens, gegeben alle vorherigen.

x₁…xₙ
die Token der Sequenz
θ
die Modellparameter

In der Praxis rechnet man mit Logarithmen, weil das Produkt tausender Zahlen unter eins in float32 sofort auf null unterläuft. Aus dem Produkt wird eine Summe von Log-Wahrscheinlichkeiten, und aus der mittleren negativen Log-Wahrscheinlichkeit wird die Perplexität, siehe Information und Entropie.

Kalibrierung messen

Der Expected Calibration Error teilt die Vorhersagen in Konfidenzbänder und vergleicht die mittlere angegebene Konfidenz je Band mit der tatsächlichen Trefferquote in diesem Band. Ein ECE über 0,1 heißt: die Konfidenzangaben des Modells sind als Entscheidungsgrundlage unbrauchbar und müssen nachkalibriert werden, etwa über Temperature Scaling auf einem Validierungssatz.

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