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Tokenisierung

Wie Text zu Zahlen wird: Byte-Pair-Encoding, warum deutsche Komposita teurer sind als englische Wörter und was das für Kosten und Kontext bedeutet.

·2 Min. Lesezeit·Von Fachredaktion Technik
DETAILGRAD
3 Abschnitte

Die Idee

Ein Modell rechnet mit Zahlen. Bevor Text hineingeht, wird er in Stücke geschnitten, und jedes Stück bekommt eine Nummer. Diese Stücke heißen Token und sind meist kürzer als ein Wort und länger als ein Buchstabe.

„Rechnungsprüfung" wird etwa zu Rech | nungs | prüfung, also drei Token. Das englische „invoice check" ist zwei.

Was daraus folgt

AuswirkungPraktische Folge
Deutsch braucht mehr TokenDerselbe Inhalt kostet 20 bis 40 Prozent mehr
Kontextfenster zählt TokenEin deutsches Dokument passt kürzer hinein
Zahlen werden zerlegtRechnen ist deshalb keine Stärke von Sprachmodellen
Seltene Namen werden zerstückeltFachbegriffe belegen unverhältnismäßig viele Token

Byte-Pair-Encoding

  1. 01

    Mit einzelnen Bytes beginnen

    Das Vokabular enthält zunächst alle 256 möglichen Bytes. Damit ist jeder Text darstellbar, auch mit Emoji und fremden Schriften.

  2. 02

    Häufigstes Paar suchen

    Über den gesamten Trainingstext das am häufigsten benachbarte Paar finden.

  3. 03

    Zusammenfassen

    Dieses Paar wird ein neues Token mit eigener Nummer.

  4. 04

    Wiederholen

    Bis die gewünschte Vokabulargröße erreicht ist, meist 32.000 bis 200.000.

# Faustregeln zum Nachrechnen, ohne Bibliothek:
def token_schaetzung(text, sprache="de"):
    zeichen_je_token = 3.2 if sprache == "de" else 4.0
    return round(len(text) / zeichen_je_token)

de = "Die Rechnungsprüfung erfolgt durch die Fachabteilung."
en = "The invoice check is carried out by the department."
print(token_schaetzung(de, "de"), token_schaetzung(en, "en"))   # 16  13

Was das für Kosten heißt

Bei einem Preis von 3 EUR je Million Eingabetoken und einem Dokument mit 10.000 Zeichen:

SpracheZeichen je TokenTokenKosten
Englisch4,02.5000,0075 EUR
Deutsch3,23.1250,0094 EUR
Deutsch, Fachtext2,83.5710,0107 EUR

Der Aufschlag von 25 bis 43 Prozent ist kein Rundungsfehler, sondern ein struktureller Nachteil, der bei jeder Kostenschätzung eingerechnet gehört.

Warum die Perplexität dadurch unvergleichbar wird

Perplexität wird je Token gemessen. Ein Tokenizer, der denselben Text in mehr Stücke zerlegt, verteilt dieselbe Information auf mehr Vorhersagen und senkt damit die Perplexität, ohne dass das Modell besser wäre.

Bits pro Zeichen als vergleichbare Größe

BPC = (T / C) · log₂(PPL)

Erst die Umrechnung auf Zeichen macht zwei Modelle mit verschiedenen Vokabularen vergleichbar.

PPL
Perplexität je Token
T
Anzahl der Token
C
Anzahl der Zeichen

Durchgerechnet: Modell A hat PPL = 8 bei 3,2 Zeichen je Token, Modell B hat PPL = 12 bei 4,0 Zeichen je Token.

  • A: (1/3,2) × log₂ 8 = 0,3125 × 3 = 0,938 Bit je Zeichen
  • B: (1/4,0) × log₂ 12 = 0,25 × 3,585 = 0,896 Bit je Zeichen

Modell B ist trotz der höheren Perplexität das bessere Sprachmodell. Ein reiner Perplexitätsvergleich hätte das Gegenteil nahegelegt.

Praktische Fallen

  • Führende Leerzeichen gehören zum Token. " Rechnung" und "Rechnung" sind verschiedene Token mit verschiedenen Nummern.
  • Zahlen werden je nach Tokenizer unterschiedlich zerlegt. 1234 kann ein Token sein oder vier, was Rechenaufgaben zusätzlich erschwert.
  • Sonderzeichen und Emoji brauchen oft mehrere Token, obwohl sie ein Zeichen sind.
  • Ein Vokabular ohne die eigene Fachsprache zerlegt jeden Fachbegriff in Stücke und verbraucht dadurch mehr Kontext.

Die Vokabulargröße als Kompromiss

VokabularToken je TextAusgabeschichtAnmerkung
32.000mehr32.000 · h ParameterÄltere Modelle
128.000weniger128.000 · hHeute üblich
256.000deutlich weniger256.000 · hMehrsprachige Modelle

Bei h = 4096 kostet die Ausgabeschicht bei 32.000 Einträgen 131 Millionen Parameter, bei 256.000 bereits 1,05 Milliarden. Ein größeres Vokabular spart Kontext und Rechenzeit je Text, kostet aber Speicher: der Kompromiss, den jede Modellfamilie neu entscheidet.

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