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Energie und Nachhaltigkeit

Was eine Anfrage tatsächlich verbraucht, wie man das nachrechnet und welche Angaben in einer Nachhaltigkeitsberichterstattung belastbar sind.

·2 Min. Lesezeit·Von Fachredaktion Technik
DETAILGRAD
3 Abschnitte

Die Idee

Jede Anfrage lässt eine Grafikkarte für kurze Zeit arbeiten. Der Verbrauch ist Leistung mal Zeit. Eine Karte mit 400 Watt, die eine Sekunde arbeitet, verbraucht 400 Wattsekunden, also rund 0,11 Wattstunden. Wenn sie in dieser Sekunde zwanzig Anfragen gleichzeitig bedient, entfallen auf jede etwa 0,0056 Wattstunden.

Die Stapelverarbeitung, die die Kosten senkt, senkt also auch den Verbrauch je Anfrage, im selben Verhältnis.

Größenordnungen

VorgangGrößenordnung
Websuche~0,3 Wh
Kurze Antwort eines mittleren Modells0,1 bis 1 Wh
Lange Antwort eines großen Modells2 bis 10 Wh
Ein erzeugtes Bild1 bis 5 Wh
Ein Kilometer mit dem Auto~1.900 Wh

Die eigene Messung

  1. 01

    Leistungsaufnahme erfassen

    Über die Kartenverwaltung, gemittelt über den Messzeitraum, nicht als Spitzenwert.

  2. 02

    Durchsatz gleichzeitig messen

    Anfragen und Token je Sekunde im selben Zeitfenster.

  3. 03

    Auf die Anfrage umrechnen

    Leistung geteilt durch Durchsatz ergibt Energie je Anfrage.

  4. 04

    Zuschläge ergänzen

    Prozessor, Netzteil, Kühlung. Der PUE-Faktor des Rechenzentrums deckt das ab.

Energie je Anfrage

E [Wh] = (P / R) · PUE / 3600

Die Leistung geteilt durch den Durchsatz ergibt die Energie je Anfrage, multipliziert mit dem Rechenzentrumsfaktor.

P
mittlere Leistungsaufnahme der Karte in Watt
R
Anfragen je Sekunde
PUE
Effizienzfaktor des Rechenzentrums, typisch 1,1 bis 1,6

Durchgerechnet: P = 400 W, R = 12 Anfragen je Sekunde, PUE = 1,3: E = (400/12) × 1,3 / 3600 = 0,0120 Wh je Anfrage. Bei einer Million Anfragen je Tag sind das 12,0 kWh je Tag.

Von Energie zu Emissionen

Emissionen

CO₂e [g] = E · I

Der Verbrauch mal dem Emissionsfaktor des tatsächlich bezogenen Stroms ergibt die betrieblichen Emissionen.

E
Energieverbrauch in kWh
I
Emissionsfaktor des Strommixes in g CO₂-Äquivalent je kWh

Der Faktor I schwankt erheblich: Er liegt in einigen europäischen Netzen unter 50 g je kWh und in anderen über 400 g. Derselbe Dienst kann damit je nach Standort um den Faktor acht unterschiedlich emissionsintensiv sein. Für eine Berichterstattung ist deshalb der standortbezogene Faktor anzugeben, nicht ein europäischer Mittelwert.

Was in einem Bericht belastbar ist

  • Gemessener Energieverbrauch der eigenen Anlagen, nicht hochgerechnet aus Herstellerangaben.
  • Der PUE des tatsächlich genutzten Rechenzentrums, mit Bezugszeitraum.
  • Der standortbezogene Emissionsfaktor, mit Quelle und Jahr.
  • Für zugekaufte Dienste: die Angaben des Anbieters, ausdrücklich als solche gekennzeichnet.
  • Getrennte Ausweisung von Training und Betrieb.

Nicht belastbar sind: geschätzte Verbräuche je Anfrage aus fremden Veröffentlichungen, Herstellerangaben zur Spitzenleistungsaufnahme als Betriebswert, und Angaben ohne Auslastungsangabe.

Die wirksamsten Hebel

HebelGrößenordnung
Stapelverarbeitung erhöhenFaktor 5 bis 20 je Anfrage
Kleineres Modell für einfache AnfragenFaktor 5 bis 20 auf den betroffenen Anteil
Quantisierung auf int8Faktor ~2
Prompt- und Antwortlänge begrenzenLinear
Standortwahl nach StrommixFaktor bis 8 auf die Emissionen

Die letzte Zeile verändert den Verbrauch nicht, nur die Emissionen. Sie gehört deshalb getrennt ausgewiesen und nicht mit Effizienzmaßnahmen vermischt.

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