KI‑Kompass
Kompass

Synthetische Daten

Erzeugte statt erhobene Beispiele: wann das trägt, wo es kippt und warum ein Modell, das nur von Modellen lernt, schlechter wird.

·2 Min. Lesezeit·Von Fachredaktion Technik
DETAILGRAD
3 Abschnitte

Die Idee

Statt Beispiele zu sammeln, erzeugt man sie: gerenderte Bilder eines Bauteils aus tausend Blickwinkeln, simulierte Sensorverläufe, erzeugte Beispielsätze für eine seltene Kategorie.

Wann es sich lohnt

LageEignung
Seltene Fehlerbilder in der Fertigungsehr gut, mit CAD und Rendering
Randfälle mit bekannter Wahrheitsehr gut
Ausgewogenheit seltener Klassen herstellengut, mit Vorsicht
Personenbezogene Daten ersetzenmit Einschränkungen
Fachwissen ersetzen, das nicht vorliegtungeeignet
Testsatz ersetzenungeeignet

Die Wege

WegPrinzipTypisch für
AugmentierungEchte Daten variierenBilder, Ton, Text
SimulationPhysikalisches Modell rendernFertigung, Robotik, Fahrzeuge
Generatives ModellAus echten Daten lernen und erzeugenText, Bilder
RegelbasiertAus Vorlagen erzeugenFormulare, strukturierte Texte
Zufallsvariation im RenderingAbsichtlich unrealistische VielfaltÜbertragung auf die Wirklichkeit

Die letzte Zeile ist kontraintuitiv und gut belegt: Wenn Beleuchtung, Texturen und Hintergründe in der Simulation stark und teils unrealistisch variiert werden, lernt das Modell, diese Faktoren zu ignorieren, und überträgt sich besser auf echte Aufnahmen.

  • Immer mit echten Daten mischen, selten ausschließlich synthetisch trainieren.
  • Den Anteil synthetischer Daten als Hyperparameter behandeln und messen.
  • Synthetische Daten kennzeichnen und getrennt versionieren.
  • Der Testsatz bleibt echt, immer.

Modellkollaps

Varianzverlust über Generationen

σ²_n ≈ σ²₀ · (1 − 1/N)ⁿ

Bei wiederholtem Training auf den eigenen Ausgaben schrumpft die Varianz mit jeder Runde, und seltene Ereignisse verschwinden zuerst.

σ²_n
Varianz der Verteilung nach n Trainingsrunden auf erzeugten Daten
N
Stichprobenumfang je Runde

Die praktische Folge ist gravierender, als die Formel vermuten lässt: Der Verlust trifft zuerst die Ränder der Verteilung. Ein Modell, das über mehrere Runden auf erzeugten Texten trainiert wurde, verliert zuerst seltene Formulierungen, Fachbegriffe und ungewöhnliche Fälle: genau das, wofür man es später braucht.

Gegenmittel: Echte Daten in jeder Runde beimischen und ihren Anteil nicht unter etwa ein Drittel fallen lassen.

Anonymität ist nicht automatisch

Ein generatives Modell, das auf echten Datensätzen trainiert wurde, kann einzelne davon fast wörtlich wiedergeben. Zwei Prüfungen sind Mindeststandard:

  • Nächster-Nachbar-Abstand. Für jeden erzeugten Datensatz den Abstand zum ähnlichsten echten messen. Eine Häufung nahe null zeigt Auswendiglernen.
  • Zugehörigkeitstest. Prüfen, ob sich aus dem Generator ableiten lässt, ob ein bestimmter echter Datensatz im Training war.

Belastbar wird die Aussage erst mit differenzieller Privatheit im Training des Generators:

Differenzielle Privatheit

P[M(D) ∈ S] ≤ e^ε · P[M(D') ∈ S] + δ

Die Wahrscheinlichkeit jedes Ergebnisses darf sich um höchstens den Faktor e hoch epsilon ändern, wenn ein einzelner Eintrag hinzukommt oder wegfällt.

M
der Erzeugungsmechanismus
D, D'
zwei Datensätze, die sich in genau einem Eintrag unterscheiden
ε
das Privatheitsbudget, kleiner ist strenger

Nur mit einer solchen Garantie und einem dokumentierten ε lässt sich gegenüber einer Aufsichtsbehörde begründen, dass die erzeugten Daten keinen Personenbezug mehr tragen. Ein ε über etwa 10 gilt dabei als schwach.

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