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Verlustfunktionen

Die Verlustfunktion legt fest, was ein Fehler ist. Sie zu wählen ist die folgenreichste Entscheidung im ganzen Training, und sie wird meistens beiläufig getroffen.

·2 Min. Lesezeit·Von Fachredaktion Technik
DETAILGRAD
3 Abschnitte

Die Idee

Bevor ein Modell lernen kann, muss jemand festlegen, was „daneben" heißt. Ist eine Schätzung von 90 statt 100 gleich schlimm wie eine von 110 statt 100? Ist ein übersehener Betrugsfall so teuer wie ein Fehlalarm?

Die Verlustfunktion ist die Antwort auf diese Fragen, in Zahlen gegossen.

Wozu es gut ist

Sie ist der Ort, an dem fachliche Prioritäten in das Modell gelangen. Wer sie nicht bewusst wählt, überlässt diese Entscheidung dem Standardwert der Bibliothek.

Die Auswahl

AufgabeVerlustEigenschaft
Regression, saubere DatenMSEBevorzugt den Mittelwert, empfindlich gegen Ausreißer
Regression, AusreißerMAE oder HuberBevorzugt den Median, robust
Binäre KlassifikationBinäre KreuzentropieLiefert kalibrierbare Wahrscheinlichkeiten
Sehr seltene KlasseFocal LossDämpft leichte Fälle, betont schwere
MehrklassenKreuzentropieStandard, mit Label Smoothing stabiler
Ähnlichkeit lernenTriplet, InfoNCEGrundlage der meisten Embeddings
RangordnungPaarweiser LogistikverlustOptimiert Reihenfolge statt Werte
import numpy as np

y  = np.array([100.0, 100.0, 100.0])
p1 = np.array([ 90.0, 100.0, 110.0])   # gleichmaessig daneben
p2 = np.array([100.0, 100.0,  70.0])   # ein grober Ausreisser

for name, p in [("gleichmaessig", p1), ("ein Ausreisser", p2)]:
    mse = float(((y - p) ** 2).mean())
    mae = float(np.abs(y - p).mean())
    print(f"{name:16s} MSE {mse:8.1f}   MAE {mae:6.1f}")
# MSE bestraft den einen groben Fehler haerter als zwei mittlere.

Die Formeln

Die vier wichtigsten Verluste

MSE = (1/n) Σ (yᵢ − ŷᵢ)² MAE = (1/n) Σ |yᵢ − ŷᵢ| Huber = ½(y−ŷ)² für |y−ŷ| ≤ δ δ|y−ŷ| − ½δ² sonst BCE = −[ y·log p + (1−y)·log(1−p) ] Focal = −(1−p_t)^γ · log p_t

Quadratisch, absolut, gemischt, und für Klassifikation der Logarithmus der Wahrscheinlichkeit des richtigen Etiketts.

y
der wahre Wert oder das wahre Etikett
ŷ, p
die Vorhersage
δ
die Huber-Schwelle, ab der linear statt quadratisch bestraft wird
γ
der Focal-Parameter, üblich 2

Warum MSE den Mittelwert schätzt

Setzt man die Ableitung von Σ(yᵢ − c)² nach c gleich null, folgt c = (1/n)Σyᵢ, also der Mittelwert. Für Σ|yᵢ − c| ist die Ableitung die Anzahl der Werte oberhalb minus der unterhalb; null wird sie beim Median.

Das hat eine praktische Folge, die oft übersehen wird: Wer Bearbeitungszeiten mit MSE modelliert, sagt die mittlere Dauer voraus. Bearbeitungszeiten sind immer rechtsschief verteilt, und dort liegt dieser Wert deutlich über dem typischen Fall. Für eine Kapazitätsplanung ist das richtig, für eine Kundenzusage falsch.

Klassengewichte, durchgerechnet

Bei 2 Prozent positiven Fällen und ungewichteter Kreuzentropie stammen 98 Prozent des Gradientensignals aus der Mehrheitsklasse. Ein Gewicht von w₊ = n/(2·n₊) = 25 gleicht das aus. Praktisch führt das oft dazu, dass die Wahrscheinlichkeiten nicht mehr kalibriert sind: der Schwellwert muss danach neu bestimmt werden, siehe Metriken richtig lesen.

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