KI‑Kompass
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Warum Grafikkarten

Weshalb KI auf Grafikkarten läuft und nicht auf Prozessoren: der Unterschied zwischen wenigen schnellen und vielen langsamen Rechenwerken, mit Zahlen.

·3 Min. Lesezeit·Von Fachredaktion Technik
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3 Abschnitte

Die Idee

Ein Prozessor hat vielleicht 16 Rechenkerne, jeder sehr schnell und sehr flexibel. Eine Grafikkarte hat mehrere tausend Rechenwerke, jedes einfacher und langsamer, die aber alle gleichzeitig dieselbe Rechnung auf verschiedenen Zahlen ausführen.

Wenn eine Aufgabe aus einer Million voneinander unabhängiger, gleichartiger Multiplikationen besteht, gewinnt die zweite Bauart um zwei Größenordnungen. Genau so eine Aufgabe ist eine Matrixmultiplikation, und genau daraus besteht ein neuronales Netz.

Der Vergleich in Zahlen

Prozessor (Server-CPU)Grafikkarte (Rechenzentrum)
Rechenkerne32 bis 128mehrere tausend
Rechenleistung float162 bis 5 TFLOP/s300 bis 2.000 TFLOP/s
Speicherbandbreite200 bis 500 GB/s2.000 bis 8.000 GB/s
Speicher128 GB bis 2 TB24 bis 192 GB
StärkeVerzweigungen, NacheinanderGleiche Rechnung auf vielen Daten

Die Rechnung, die den Bedarf bestimmt

Für ein Sprachmodell gilt in guter Näherung: je erzeugtem Token werden alle Gewichte einmal aus dem Speicher gelesen. Damit ist die Bandbreite und nicht die Rechenleistung die Grenze.

Obergrenze der Token je Sekunde

Token/s ≤ B / (N · b)

Mehr Token je Sekunde als Bandbreite geteilt durch Modellgröße sind bei einer einzelnen Anfrage nicht möglich.

B
Speicherbandbreite in Byte je Sekunde
N
Anzahl der Parameter
b
Bytes je Parameter: 2 bei float16, 1 bei int8

Durchgerechnet für ein Modell mit 7 Milliarden Parametern in float16, also 14 GB, auf einer Karte mit 1.000 GB/s Bandbreite: 1.000/14 ≈ 71 Token je Sekunde. In int8 sind es 7 GB und damit rund 142 Token je Sekunde. Diese Verdopplung durch Quantisierung entsteht ohne jede zusätzliche Rechenleistung.

Welche Karte wofür

VorhabenSpeicherbedarfAnmerkung
Modell mit 7 Mrd. Parametern, int4~5 GBLäuft auf einer Karte für Endanwender
Modell mit 7 Mrd., float16~15 GB16 GB reicht knapp, 24 GB komfortabel
Modell mit 70 Mrd., int4~40 GBEine große Karte oder zwei kleinere
Modell mit 70 Mrd., float16~145 GBMehrere Karten zwingend
Feinabstimmung mit LoRA, 7 Mrd.~20 GBSiehe LoRA und PEFT
Volles Training, 7 Mrd.~120 GBSiehe Optimierung

Warum die Rechenleistung selten die Grenze ist

Arithmetische Intensität

I = FLOPs / Bytes speichergebunden, wenn I < Spitzenleistung / Bandbreite

Liegt die Intensität unter dem Verhältnis von Rechenleistung zu Bandbreite der Karte, begrenzt der Speicher und nicht das Rechenwerk.

I
Rechenoperationen je gelesenem Byte
FLOPs
Anzahl der Operationen
Bytes
aus dem Speicher gelesene Datenmenge

Eine Karte mit 1.000 TFLOP/s und 3.000 GB/s hat ein Verhältnis von rund 333 Operationen je Byte. Bei der Erzeugung eines einzelnen Tokens liegt die arithmetische Intensität nahe bei 2, also um mehr als zwei Größenordnungen darunter. Das Rechenwerk ist dabei zu über 99 Prozent unbeschäftigt.

Die Gegenmaßnahme ist Stapelverarbeitung: Werden 64 Anfragen gemeinsam bearbeitet, werden die Gewichte einmal gelesen und 64 Mal benutzt, und die Intensität steigt auf rund 128. Deshalb ist der Durchsatz je Karte bei vielen gleichzeitigen Anfragen zehn- bis fünfzigmal höher als bei einer einzelnen. Siehe Inferenz schneller machen.

Kosten, durchgerechnet

Eine Beispielrechnung für den Betrieb eines Modells mit 7 Milliarden Parametern:

PostenAnnahmeErgebnis
Karte300 W unter Last
Auslastung60 % über den Tag4,3 kWh je Tag
Strom0,25 EUR je kWh1,08 EUR je Tag
Kühlung, PUE 1,3Zuschlag 30 %1,40 EUR je Tag
Abschreibung Karte8.000 EUR auf 3 Jahre7,30 EUR je Tag
Summerund 8,70 EUR je Tag

Bei 142 Token je Sekunde und 60 Prozent Auslastung sind das etwa 7,4 Millionen Token je Tag, also rund 1,18 EUR je Million Token. Diese Zahl ist der Vergleichsmaßstab gegen eine Schnittstelle nach Verbrauch und beantwortet die Frage nach dem Eigenbetrieb sachlich statt grundsätzlich. Siehe Was KI kostet.

Alternativen zu Grafikkarten

BauartStärkeSchwäche
GPUUniversell, ausgereifte SoftwarePreis, Verfügbarkeit
TPU und ähnlicheSehr effizient bei großen MatrizenAn eine Plattform gebunden
NPU in EndgerätenSehr sparsamKleine Modelle, begrenzter Speicher
CPU mit ErweiterungenVorhanden, kein ZusatzkaufUm Faktor 10 bis 50 langsamer
FPGAAnpassbar, niedrige LatenzHoher Entwicklungsaufwand
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