KI‑Kompass
Kompass

Das Kontextfenster, technisch

Warum langer Kontext teuer ist, was in der Mitte verlorengeht und wie sich die Grenze verschieben lässt, ohne das Modell neu zu trainieren.

·2 Min. Lesezeit·Von Fachredaktion Technik
DETAILGRAD
3 Abschnitte

Die Idee

Das Kontextfenster ist alles, was das Modell bei einer Anfrage gleichzeitig sehen kann: Systemanweisung, Verlauf, angehängte Dokumente und die bisherige Antwort. Gemessen wird es in Token, nicht in Zeichen oder Seiten.

Größenordnungen

FensterEntspricht etwa
8.000 Token20 bis 25 Seiten deutscher Text
32.000 Token80 bis 100 Seiten
128.000 Tokenein Buch mittlerer Länge
1.000.000 Tokenmehrere tausend Seiten

Die Kosten

PhaseAufwandWas das heißt
Prompt verarbeitenquadratisch in der LängeDoppelte Eingabe, vierfache Zeit bis zum ersten Token
Token erzeugenlinear in der LängeJedes neue Token liest den gesamten Cache
Speicherlinear in der LängeDer Cache wächst mit jedem Token
  • Unveränderliche Teile an den Anfang, damit Prompt-Caching greift.
  • Das Wichtigste an den Anfang und ans Ende, nicht in die Mitte.
  • Statt alles hineinzugeben, gezielt abrufen. Zehn passende Abschnitte schlagen zweihundert beliebige.
  • Die maximale Eingabelänge im Betrieb begrenzen, sonst ist Kapazität nicht planbar.

Kontext verlängern

Positionsinterpolation

s = L_neu / L_alt m' = m / s

Die Positionen werden gestaucht, sodass die neuen längeren Sequenzen in den Winkelbereich fallen, den das Modell kennt.

L_alt
die Kontextlänge im Training
L_neu
die gewünschte Länge
s
der Streckungsfaktor
m
die Position

Reine Interpolation verschlechtert die Auflösung bei kurzen Abständen, weil auch benachbarte Token zusammenrücken. NTK-bewusste Verfahren strecken deshalb nicht gleichmäßig, sondern hohe Frequenzen weniger als niedrige, und behalten damit die Genauigkeit im Nahbereich.

Das Mittelteilproblem messen

Der übliche Test besteht darin, eine eindeutig auffindbare Information an verschiedenen Stellen eines langen Kontexts zu platzieren und die Trefferquote über die Position aufzutragen. Typischer Verlauf bei einem Modell mit 128.000 Token Fenster:

Position der InformationTrefferquote
erste 10 %95 bis 99 %
25 %85 bis 92 %
50 %60 bis 80 %
75 %80 bis 90 %
letzte 10 %93 bis 98 %

Die U-Form ist robust über Modelle hinweg. Sie ist der Grund, warum ein Abruf mit wenigen passenden Ausschnitten einem sehr langen Kontext praktisch überlegen ist.

Kosten- und Speicherrechnung

Für ein Modell mit 32 Schichten, h_kv = 1024 (gruppierte Abfragen), float16:

KontextKV-Cache je AnfrageZeit bis zum ersten Token, relativ
4.0000,5 GB1
16.0002,1 GB16
64.0008,4 GB256
128.00016,8 GB1.024

Die letzte Spalte ist der Grund, warum sehr lange Prompts in der Praxis Sekunden bis Minuten bis zur ersten Ausgabe brauchen. Wer diese Zeit nicht akzeptieren kann, muss abrufen statt anzuhängen. Siehe RAG, technisch.

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