KI‑Kompass
Kompass

Fine-Tuning, technisch

Wann sich ein eigenes Training lohnt, welche Datenmenge nötig ist und warum die meisten Vorhaben besser mit Prompt und Abruf gelöst werden.

·3 Min. Lesezeit·Von Fachredaktion Technik
DETAILGRAD
3 Abschnitte

Die Entscheidung

ProblemRichtige Antwort
Das Modell kennt unsere Produkte nichtAbruf, nicht Fine-Tuning
Das Modell antwortet im falschen FormatErst Prompt, dann Fine-Tuning
Das Modell trifft unseren Ton nichtFine-Tuning
Das Modell versteht unsere Fachsprache nichtErst Glossar im Prompt, dann Fine-Tuning
Das Modell ist zu langsam oder zu teuerKleineres Modell nachtrainieren
Die Antworten sind faktisch falschAbruf mit Zitierpflicht

Der Datensatz

  • Jedes Beispiel ist so, wie die Ausgabe aussehen soll. Ein mittelmäßiges Beispiel lehrt Mittelmaß.
  • Vielfalt in der Eingabe, Einheitlichkeit in der Form der Ausgabe.
  • Auch Beispiele, in denen die richtige Antwort eine Ablehnung ist. Sonst lernt das Modell, immer zu antworten.
  • Ein zurückgehaltenes Eval-Set, das vor dem Training festgelegt wird.
  • Persönliche Daten entfernen oder pseudonymisieren, bevor trainiert wird. Ein Modell kann Trainingsdaten wiedergeben.

Die Größenordnungen

ZielBeispieleAufwand mit LoRA
Festes Ausgabeformat200 bis 500wenige GPU-Stunden
Ton und Stil500 bis 2.000wenige GPU-Stunden
Fachsprache2.000 bis 20.00010 bis 50 GPU-Stunden
Neue Fähigkeit50.000+erheblich, oft nicht sinnvoll

Katastrophales Vergessen messen

Ein Modell, das auf einer engen Aufgabe nachtrainiert wurde, verliert allgemeine Fähigkeiten. Das ist kein Nebeneffekt, sondern die direkte Folge davon, dass alle Parameter in Richtung der neuen Aufgabe verschoben werden.

  • Vor und nach dem Training dasselbe allgemeine Eval-Set rechnen.
  • Ein Rückgang über 3 bis 5 Prozentpunkte ist ein Warnsignal.
  • Gegenmittel: kleinere Lernrate, weniger Epochen, LoRA statt vollständigem Training, Mischung mit allgemeinen Daten.

Eine bewährte Faustregel ist, dem Trainingssatz 5 bis 20 Prozent allgemeine Anweisungsdaten beizumischen. Das kostet wenig und hält die Grundfähigkeiten weitgehend stabil.

Die Einstellungen

ParameterÜblicher BereichAnmerkung
Lernrate1e-5 bis 5e-5 voll, 1e-4 bis 3e-4 mit LoRADer wichtigste Regler
Epochen1 bis 3Mehr führt fast immer zu Auswendiglernen
Batch-Größe effektiv32 bis 128Über Gradientenakkumulation erreichbar
Maximale Längeso kurz wie möglichBestimmt den Speicherbedarf
Warmup3 bis 10 Prozent der SchritteVerhindert frühe Instabilität

Durchgerechnet: Speicher und Schritte

Der Speicherbedarf entscheidet, ob ein Fine-Tuning auf der vorhandenen Hardware überhaupt läuft.

Speicherbedarf beim Training

M ≈ P · (b_w + b_w + b_o) + A

Der Speicher ist Gewichte plus Gradienten plus Optimiererzustände plus Aktivierungen.

P
Anzahl der Parameter
b_w
Bytes je Gewicht, 2 bei bfloat16
b_o
Bytes je Parameter für den Optimierer, 8 bei Adam in fp32
A
Aktivierungen, abhängig von Batch und Sequenzlänge

Für ein Modell mit 7 Milliarden Parametern in bfloat16 mit Adam: 7e9 · (2 + 2 + 8) = 8,4 · 10¹⁰ Byte, also rund 84 GB, bevor die Aktivierungen dazukommen. Das passt auf keine einzelne übliche Karte.

Mit LoRA werden nur die Adaptermatrizen trainiert. Bei Rang 16 auf den vier Projektionen eines Modells mit 32 Schichten und Breite 4096 sind das 32 · 4 · 2 · 16 · 4096 ≈ 1,7 · 10⁷ Parameter, also 0,24 Prozent des Modells. Der Optimiererzustand schrumpft entsprechend: 1,7e7 · 12 ≈ 200 MB statt 84 GB. Das Grundmodell bleibt eingefroren und kann quantisiert geladen werden. Siehe LoRA und parametereffizientes Training.

Die Zahl der Schritte folgt aus dem Datensatz: Schritte = Beispiele · Epochen / effektive Batch-Größe. Bei 2.000 Beispielen, 2 Epochen und effektiver Batch-Größe 32 sind das 125 Schritte. Das ist wenig, und genau deshalb entscheidet die Lernrate hier mehr als die Rechenzeit.

Rechtliche Punkte

  • Trainingsdaten mit Personenbezug brauchen eine eigene Rechtsgrundlage. Der Zweck der ursprünglichen Erhebung deckt Training selten mit ab.
  • Ein Modell kann Trainingsdaten wörtlich wiedergeben. Das ist bei personenbezogenen Daten ein Übermittlungsrisiko und bei geschützten Texten ein urheberrechtliches.
  • Ein Löschbegehren nach Art. 17 DSGVO lässt sich an einem trainierten Modell nicht ohne Weiteres erfüllen. Deshalb gehören personenbezogene Daten vor das Training entfernt, nicht danach.
  • Wer ein Modell feinabstimmt und weitergibt, kann dadurch zum Anbieter im Sinne des AI Act werden. Siehe Pflichten nach Rolle.

Passende Kurse und Quellen

StudieKostenlosEN

BERT

Vortraining auf maskiertem Text, danach Fine-Tuning je Aufgabe. Das Muster, das die Sprachverarbeitung vor den großen Modellen geprägt hat.

Für das Verständnis dessen, was vor den großen Modellen die Sprachverarbeitung geprägt hat.

KursKostenlos1500 Min.EN

Hugging Face NLP-Kurs

Tokenisierung, Transformer, Fine-Tuning und Bereitstellung, durchgehend mit Code. Setzt Python voraus, dafür arbeitet man am Ende mit echten Modellen.

Für Entwicklung mit Sprachmodellen, wenn es über das Aufrufen einer Schnittstelle hinausgehen soll.

Hugging FaceZum Angebot
StudieKostenlosEN

LoRA

Anpassung über wenige zusätzliche Parameter statt vollständigem Training. Der Grund, warum Fine-Tuning heute bezahlbar ist.

Für alle, die feinabstimmen wollen und ein Budget haben; die Grundlage der bezahlbaren Anpassung.

KursKostenlos4200 Min.EN

Practical Deep Learning for Coders

Beginnt mit einem lauffähigen Modell in der ersten Stunde und liefert die Theorie danach. Der kürzeste Weg von Python-Grundkenntnissen zum eigenen trainierten Modell.

Für Ungeduldige mit Python-Kenntnissen: das erste eigene Modell läuft in der ersten Stunde.

War diese Seite hilfreich?
Fine-Tuning, technisch