Energie und Versorger
Lastprognose, Netzbetrieb und Instandhaltung: wo KI in der Versorgung trägt und warum kritische Infrastruktur eine eigene Pflichtenlage hat.
Worum es geht
| Vorgang | Einordnung |
|---|---|
| Lastprognose für den nächsten Tag | unbedenklich |
| Erzeugungsprognose aus Wetterdaten | unbedenklich |
| Zustandsüberwachung von Anlagen | unbedenklich |
| Instandhaltung vorausschauend planen | unbedenklich |
| Störungsmeldungen auswerten und einordnen | begrenzt |
| Netzschutz oder Lastabwurf steuern | Hochrisiko, kritische Infrastruktur |
| Tarifempfehlung je Haushalt aus Verbrauchsprofilen | begrenzt bis hoch, Personenbezug |
Wo es sich am schnellsten rechnet
- 01
Lastprognose
Historische Last, Kalender, Wetter. Ein Prozentpunkt weniger Prognosefehler schlägt unmittelbar auf die Beschaffungskosten durch.
- 02
Erzeugungsprognose
Für Wind und Photovoltaik. Die Güte hängt an der Wetterquelle, nicht am Modell.
- 03
Zustandsüberwachung
Schwingung, Temperatur, Teilentladung. Ein Ausfall, der zwei Tage früher auffällt, ist ein geplanter Stillstand statt eines ungeplanten.
- 04
Störungsannahme
Meldungen einordnen, Dringlichkeit vorschlagen, Einsatz vorbereiten. Immer mit Prüfung durch die Leitstelle.
Der Fehler, der fast immer passiert
Ein Modell wird auf Wetterdaten trainiert, die im Nachhinein bekannt sind, aber zur Vorhersagezeit noch nicht vorlagen. Im Test sieht das hervorragend aus, im Betrieb bricht es ein. Siehe Datenlecks im Training.
- Nur Daten verwenden, die zum Vorhersagezeitpunkt tatsächlich vorlagen, mit Zeitstempel geprüft.
- Zeitlich getrennt validieren, nicht zufällig. Ein zufälliger Split über Zeitreihen ist wertlos.
- Gegen die einfachste Regel messen: gestern zur selben Stunde. Wer die nicht schlägt, hat nichts gewonnen.
- Saisonale Verschiebungen einplanen. Ein Modell aus dem Sommer beschreibt den Winter nicht.
Kritische Infrastruktur nach AI Act
Anhang III führt Systeme auf, die als Sicherheitsbauteil beim Betrieb und der Verwaltung kritischer Infrastruktur eingesetzt werden, ausdrücklich einschließlich der Versorgung mit Strom, Gas und Wärme. Entscheidend ist die Funktion als Sicherheitsbauteil, nicht die Branche.
| Einsatz | Sicherheitsbauteil? | Folge |
|---|---|---|
| Prognose als Planungsgrundlage | nein | Allgemeine Pflichten |
| Vorschlag zur Netzschaltung, Mensch entscheidet | im Regelfall nein | Aufsicht dokumentieren |
| Automatische Lastabwurfsteuerung | ja | Volle Hochrisikopflichten |
| Schutzfunktion in der Anlagensteuerung | ja | Volle Hochrisikopflichten |
Dazu treten die Pflichten aus NIS2 und, für Betreiber kritischer Anlagen, aus dem nationalen Recht. Beide Regelwerke laufen parallel und haben eigene Meldefristen. Siehe Fehler melden.
Zählerdaten
Eine Viertelstundenmessung ist ein Verhaltensprotokoll. Daraus lässt sich ablesen, wann jemand aufsteht, kocht, duscht, arbeitet und verreist.
- Rechtsgrundlage je Auswertungszweck getrennt prüfen. Abrechnung trägt keine Profilbildung.
- Aggregation vor Auswertung, wo der Zweck sie zulässt. Ein Netzzustand braucht keine Haushaltsauflösung.
- Löschfristen an der Abrechnungspflicht ausrichten, nicht an der technischen Möglichkeit.
- Bei automatisierten Tarif- oder Sperrentscheidungen Art. 22 DSGVO prüfen.
Betrieb
- Prognosegüte laufend gegen die einfache Regel messen, nicht nur gegen das Vorjahresmodell.
- Verteilungsverschiebung überwachen: neue Erzeugungsanlagen, neue Tarife und geändertes Verbrauchsverhalten entwerten ein Modell schneller als Alterung.
- Rückfallverfahren bereithalten und geprobt haben. Ein Prognosesystem, das ausfällt, darf den Handel nicht blockieren.
- Modellstand und Datenstand je Entscheidung protokollieren, siehe Protokollierung.
Einstiegsbogen: Energie und Versorger
KOSTENLOSES KONTO
Einstiegsbogen: Energie und Versorger
Die Vorgänge dieser Branche nach Risikoklasse, die Punkte, die vorher geklärt sein müssen, und die Messgrößen, an denen sich der Nutzen zeigt.
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