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Wie es dazu kam

Von den ersten Regelsystemen über zwei Winter bis zu den Sprachmodellen: die Entwicklungslinie, die erklärt, warum heutige Systeme so aussehen wie sie aussehen.

·2 Min. Lesezeit·Von Redaktion KI-Kompass
DETAILGRAD
4 Abschnitte

Die Linie in fünf Schritten

ZeitWas passierteWarum es stockte
1950er bis 1960erErste Programme, Perzeptron, große ErwartungenRechenleistung und Theorie fehlten
1970er bis 1980erExpertensysteme mit Regeln von FachleutenRegeln zu pflegen war teurer als der Nutzen
1990er bis 2000erStatistische Verfahren, Datenbanken werden großAufgaben mit Bild und Sprache blieben schwer
2012 bis 2017Tiefe Netze gewinnen BildwettbewerbeKein Bruch, sondern der Beginn der Skalierung
ab 2017Transformer, dann Sprachmodelleläuft

Was den Unterschied machte

Nicht eine bessere Idee, sondern drei Umstände gleichzeitig: das Internet lieferte Trainingsdaten in einer Größenordnung, die es vorher nicht gab. Grafikkarten machten Matrixrechnungen hundertfach billiger. Und einige technische Kniffe machten tiefe Netze überhaupt erst trainierbar.

Die beiden Winter

Der erste, ab etwa 1974. Die Erwartungen der 1960er an maschinelle Übersetzung und allgemeines Problemlösen erfüllten sich nicht. Berichte an die Geldgeber fielen vernichtend aus, die Förderung brach ein.

Der zweite, ab etwa 1987. Expertensysteme waren kommerziell verbreitet und scheiterten an der Pflege: Jede Regel musste von Fachleuten eingegeben werden, und die Regelwerke wurden schneller widersprüchlich, als sie Nutzen brachten.

Beide Male war nicht die Technik falsch, sondern die Erwartung an ihren Reifegrad. Diese Erfahrung ist der Grund, warum in der Fachwelt der Umgang mit Ankündigungen bis heute reserviert ist.

Was 2012 und 2017 bedeuteten

JahrEreignisFolge
2012Ein tiefes Faltungsnetz gewinnt einen Bildwettbewerb deutlichBildverarbeitung wechselt binnen zwei Jahren die Methode
2017Die Transformer-Architektur wird veröffentlichtSequenzverarbeitung wird parallelisierbar und damit skalierbar
2020Skalierungsgesetze werden formuliertGröße wird eine planbare Investition statt eines Versuchs

Der Punkt an 2017 ist nicht Intelligenz, sondern Parallelisierbarkeit. Vorherige Verfahren mussten Wort für Wort rechnen. Ein Transformer verarbeitet die ganze Sequenz gleichzeitig und lässt sich damit auf tausende Karten verteilen.

Warum Skalierung funktionierte

Die empirische Beobachtung, die die Entwicklung der letzten Jahre trägt, ist schlicht: Verlust, Parameterzahl und Datenmenge hängen über weite Bereiche in einem Potenzgesetz zusammen. Verdoppelt man Rechenaufwand und Daten gemeinsam, sinkt der Verlust vorhersagbar.

Das machte aus einer Forschungsfrage eine Investitionsentscheidung. Wer wissen will, was ein Modell mit zehnfachem Aufwand leistet, muss es nicht mehr bauen, um es abzuschätzen.

Die offenen Punkte

  • Datengrenze. Hochwertiger Text im Netz ist endlich. Ob synthetische Daten das ersetzen können, ist offen, siehe synthetische Daten.
  • Energiegrenze. Der Rechenaufwand wächst schneller als die Effizienz der Hardware.
  • Verlässlichkeit. Halluzination ist eine Folge der Bauart, nicht ein Fehler, der sich wegtrainieren lässt.
  • Bewertung. Benchmarks sind zunehmend kontaminiert; es fehlt an belastbaren Maßstäben.

Was daraus für die Praxis folgt

Zwei Lehren aus der Geschichte tragen bis heute:

  1. Ein Verfahren wird nützlich, wenn es billig genug wird, nicht wenn es klug genug wird. Expertensysteme scheiterten an Pflegekosten, nicht an Logik.
  2. Erwartungen an den Reifegrad sind die häufigste Fehlerquelle. Beide Winter folgten auf Zusagen, die die Technik nicht halten konnte. Wer heute plant, tut gut daran, den Nutzen an gemessenen Vorgängen festzumachen und nicht an der Ankündigung des nächsten Modells.

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