Kanzlei und Rechtsberatung
Was KI in einer Kanzlei tatsächlich leisten kann, wo die Verschwiegenheitspflicht die Grenze zieht und wie ein Einsatz berufsrechtlich sauber aufgesetzt wird.
Worum es geht
Ein erheblicher Teil kanzleilicher Arbeit besteht aus Textarbeit mit klaren Regeln: Akten sichten, Sachverhalte ordnen, Fristen erfassen, Verträge vergleichen, Schriftsätze strukturieren. Genau dort ist KI stark.
Die eigentliche Beratung, die Bewertung eines Sachverhalts und jede Aussage gegenüber Mandanten oder Gericht bleiben unverändert Sache der berufsberechtigten Person.
Was gut funktioniert
| Vorgang | Nutzen | Prüfung durch |
|---|---|---|
| Akte zusammenfassen | hoch | Sachbearbeitung |
| Schriftsatz gliedern | hoch | Berufsträger |
| Vertragsklauseln vergleichen | hoch | Berufsträger |
| Fristen aus Schriftstücken erfassen | mittel | Fristenkontrolle, doppelt |
| Rechtsprechung suchen | mittel | zwingend gegen die Datenbank |
| Rechtsfrage beantworten | gering | nicht verwendbar ohne Quelle |
Einführung in der Kanzlei
- 01
Vorgang wählen, nicht Werkzeug
Beginnen Sie mit einem Vorgang, der häufig vorkommt, ein prüfbares Ergebnis hat und keine Beurteilung verlangt. Aktenzusammenfassung und Vertragsvergleich erfüllen das.
- 02
Berufsrechtliche Prüfung vor dem ersten Dokument
Auftragsverarbeitungsvertrag, Verschwiegenheitsverpflichtung des Anbieters, Serverstandort, Ausschluss der Nutzung zu Trainingszwecken. Erst danach geht das erste Mandantendokument hinein.
- 03
Prüfschritt festschreiben
Wer prüft was, mit welcher Tiefe, und wie wird das dokumentiert? Diese Frage vorher zu beantworten ist der Unterschied zwischen Hilfsmittel und Risiko.
- 04
Mandanteninformation klären
Ob und wie über den Einsatz informiert wird, gehört in die Mandatsvereinbarung, nicht in eine spätere Diskussion.
Messgrößen, die tragen
| Größe | Wie erhoben |
|---|---|
| Zeit je Aktenzusammenfassung | vorher und nachher, gleiche Aktenart |
| Korrekturquote durch den Berufsträger | Anteil geänderter Absätze |
| Gefundene Fehlfundstellen je 100 Zitate | Stichprobe gegen die Datenbank |
| Anteil abgelehnter Ausgaben | zu unsicher, geht in die manuelle Bearbeitung |
- Keine Mandantendaten in Werkzeuge ohne geprüfte Vereinbarung.
- Fristen niemals allein aus einer KI-Extraktion setzen. Vier-Augen-Prinzip bleibt.
- Ausgaben nie als Beratung weitergeben, ohne dass ein Berufsträger sie geprüft und verantwortet hat.
- Den geprüften Stand dokumentieren, nicht nur das Ergebnis.
Der berufsrechtliche Rahmen
Drei Regelungskreise greifen gleichzeitig und sind auseinanderzuhalten.
| Kreis | Gegenstand | Kernfrage |
|---|---|---|
| Berufsrecht | Verschwiegenheit, Auslagerung | Darf dieser Dienstleister eingebunden werden? |
| Datenschutzrecht | Personenbezogene Daten | Gibt es eine Rechtsgrundlage und einen AV-Vertrag? |
| AI Act | Das System selbst | Welche Risikoklasse, welche Pflichten als Betreiber? |
Verschwiegenheit. § 43a BRAO und § 9 RAO verpflichten zur Verschwiegenheit, strafbewehrt über § 203 StGB beziehungsweise § 121 öStGB. Die Einbindung eines Dienstleisters ist zulässig, wenn er zur Verschwiegenheit verpflichtet und über die Folgen belehrt wurde und die Einbindung erforderlich ist. § 43e BRAO regelt das für Deutschland ausdrücklich; für Österreich ergibt sich Vergleichbares aus RAO und den Richtlinien der Rechtsanwaltskammer.
Was das praktisch heißt:
- Schriftliche Verpflichtung des Anbieters zur Verschwiegenheit, nicht nur ein AV-Vertrag.
- Ausschluss der Nutzung von Eingaben zu Trainingszwecken, vertraglich und technisch belegt.
- Serverstandort und Unterauftragnehmer benannt und geprüft.
- Zugriffsrechte im Werkzeug so gesetzt, dass Mandate getrennt bleiben.
- Ein Verzeichnis, welche Mandate mit welchem Werkzeug bearbeitet wurden.
Datenfluss eines typischen Vorgangs
Mandantendokument
→ Ablage in der Kanzleisoftware (Bestand)
→ Extraktion in Text, lokal oder beim geprüften Anbieter
→ Modellaufruf mit Mandatskennung, ohne Klarnamen wo möglich
→ Ausgabe als Entwurf, gekennzeichnet
→ Prüfung durch Berufsträger, dokumentiert
→ Freigabe oder Verwerfung, protokolliert
Der Schritt „ohne Klarnamen wo möglich" ist der wirksamste einzelne Hebel: Eine Pseudonymisierung vor dem Modellaufruf senkt das Risiko erheblich und ist bei Vertragsanalyse und Schriftsatzgliederung fast immer möglich.
Nachweisführung
Für eine spätere Prüfung durch Kammer, Aufsicht oder Mandant sind vier Angaben je Vorgang zu führen:
| Angabe | Warum |
|---|---|
| Werkzeug und Version | Belegt, welcher Stand verwendet wurde |
| Eingegebene Datenkategorien | Nicht der Inhalt, sondern die Kategorien |
| Prüfende Person und Zeitpunkt | Belegt die menschliche Verantwortung |
| Umfang der Änderungen | Zeigt, dass geprüft und nicht durchgewinkt wurde |
Siehe Protokollierung und Auftragsverarbeitung.
Der Prüfbogen für das Mandat
KOSTENLOSES KONTO
Prüfbogen: KI im Mandat
Verschwiegenheit, Prüfpflicht und Abrechnung in einem Bogen, den man vor der ersten Nutzung im Mandat durchgeht.
Checkliste3 Elemente
Passende Kurse und Quellen
Österreichischer Rechtsanwaltskammertag
Die Standesvertretung veröffentlicht, was berufsrechtlich gilt. Für den Einsatz von KI im Mandat ist das die maßgebliche Stelle, nicht der Werkzeuganbieter.
Für österreichische Kanzleien: berufsrechtlich maßgeblich, nicht der Werkzeuganbieter.