KI‑Kompass
Kompass

Kanzlei und Rechtsberatung

Was KI in einer Kanzlei tatsächlich leisten kann, wo die Verschwiegenheitspflicht die Grenze zieht und wie ein Einsatz berufsrechtlich sauber aufgesetzt wird.

·3 Min. Lesezeit·Von Fachredaktion Rechtsberufe·Geprüft von Fachbereich Governance
DETAILGRAD
4 Abschnitte

Worum es geht

Ein erheblicher Teil kanzleilicher Arbeit besteht aus Textarbeit mit klaren Regeln: Akten sichten, Sachverhalte ordnen, Fristen erfassen, Verträge vergleichen, Schriftsätze strukturieren. Genau dort ist KI stark.

Die eigentliche Beratung, die Bewertung eines Sachverhalts und jede Aussage gegenüber Mandanten oder Gericht bleiben unverändert Sache der berufsberechtigten Person.

Was gut funktioniert

VorgangNutzenPrüfung durch
Akte zusammenfassenhochSachbearbeitung
Schriftsatz gliedernhochBerufsträger
Vertragsklauseln vergleichenhochBerufsträger
Fristen aus Schriftstücken erfassenmittelFristenkontrolle, doppelt
Rechtsprechung suchenmittelzwingend gegen die Datenbank
Rechtsfrage beantwortengeringnicht verwendbar ohne Quelle

Einführung in der Kanzlei

  1. 01

    Vorgang wählen, nicht Werkzeug

    Beginnen Sie mit einem Vorgang, der häufig vorkommt, ein prüfbares Ergebnis hat und keine Beurteilung verlangt. Aktenzusammenfassung und Vertragsvergleich erfüllen das.

  2. 02

    Berufsrechtliche Prüfung vor dem ersten Dokument

    Auftragsverarbeitungsvertrag, Verschwiegenheitsverpflichtung des Anbieters, Serverstandort, Ausschluss der Nutzung zu Trainingszwecken. Erst danach geht das erste Mandantendokument hinein.

  3. 03

    Prüfschritt festschreiben

    Wer prüft was, mit welcher Tiefe, und wie wird das dokumentiert? Diese Frage vorher zu beantworten ist der Unterschied zwischen Hilfsmittel und Risiko.

  4. 04

    Mandanteninformation klären

    Ob und wie über den Einsatz informiert wird, gehört in die Mandatsvereinbarung, nicht in eine spätere Diskussion.

Messgrößen, die tragen

GrößeWie erhoben
Zeit je Aktenzusammenfassungvorher und nachher, gleiche Aktenart
Korrekturquote durch den BerufsträgerAnteil geänderter Absätze
Gefundene Fehlfundstellen je 100 ZitateStichprobe gegen die Datenbank
Anteil abgelehnter Ausgabenzu unsicher, geht in die manuelle Bearbeitung
  • Keine Mandantendaten in Werkzeuge ohne geprüfte Vereinbarung.
  • Fristen niemals allein aus einer KI-Extraktion setzen. Vier-Augen-Prinzip bleibt.
  • Ausgaben nie als Beratung weitergeben, ohne dass ein Berufsträger sie geprüft und verantwortet hat.
  • Den geprüften Stand dokumentieren, nicht nur das Ergebnis.

Der berufsrechtliche Rahmen

Drei Regelungskreise greifen gleichzeitig und sind auseinanderzuhalten.

KreisGegenstandKernfrage
BerufsrechtVerschwiegenheit, AuslagerungDarf dieser Dienstleister eingebunden werden?
DatenschutzrechtPersonenbezogene DatenGibt es eine Rechtsgrundlage und einen AV-Vertrag?
AI ActDas System selbstWelche Risikoklasse, welche Pflichten als Betreiber?

Verschwiegenheit. § 43a BRAO und § 9 RAO verpflichten zur Verschwiegenheit, strafbewehrt über § 203 StGB beziehungsweise § 121 öStGB. Die Einbindung eines Dienstleisters ist zulässig, wenn er zur Verschwiegenheit verpflichtet und über die Folgen belehrt wurde und die Einbindung erforderlich ist. § 43e BRAO regelt das für Deutschland ausdrücklich; für Österreich ergibt sich Vergleichbares aus RAO und den Richtlinien der Rechtsanwaltskammer.

Was das praktisch heißt:

  • Schriftliche Verpflichtung des Anbieters zur Verschwiegenheit, nicht nur ein AV-Vertrag.
  • Ausschluss der Nutzung von Eingaben zu Trainingszwecken, vertraglich und technisch belegt.
  • Serverstandort und Unterauftragnehmer benannt und geprüft.
  • Zugriffsrechte im Werkzeug so gesetzt, dass Mandate getrennt bleiben.
  • Ein Verzeichnis, welche Mandate mit welchem Werkzeug bearbeitet wurden.

Datenfluss eines typischen Vorgangs

Mandantendokument
  → Ablage in der Kanzleisoftware (Bestand)
  → Extraktion in Text, lokal oder beim geprüften Anbieter
  → Modellaufruf mit Mandatskennung, ohne Klarnamen wo möglich
  → Ausgabe als Entwurf, gekennzeichnet
  → Prüfung durch Berufsträger, dokumentiert
  → Freigabe oder Verwerfung, protokolliert

Der Schritt „ohne Klarnamen wo möglich" ist der wirksamste einzelne Hebel: Eine Pseudonymisierung vor dem Modellaufruf senkt das Risiko erheblich und ist bei Vertragsanalyse und Schriftsatzgliederung fast immer möglich.

Nachweisführung

Für eine spätere Prüfung durch Kammer, Aufsicht oder Mandant sind vier Angaben je Vorgang zu führen:

AngabeWarum
Werkzeug und VersionBelegt, welcher Stand verwendet wurde
Eingegebene DatenkategorienNicht der Inhalt, sondern die Kategorien
Prüfende Person und ZeitpunktBelegt die menschliche Verantwortung
Umfang der ÄnderungenZeigt, dass geprüft und nicht durchgewinkt wurde

Siehe Protokollierung und Auftragsverarbeitung.

Der Prüfbogen für das Mandat

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Prüfbogen: KI im Mandat

Verschwiegenheit, Prüfpflicht und Abrechnung in einem Bogen, den man vor der ersten Nutzung im Mandat durchgeht.

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Passende Kurse und Quellen

ArtikelKostenlosDE

Österreichischer Rechtsanwaltskammertag

Die Standesvertretung veröffentlicht, was berufsrechtlich gilt. Für den Einsatz von KI im Mandat ist das die maßgebliche Stelle, nicht der Werkzeuganbieter.

Für österreichische Kanzleien: berufsrechtlich maßgeblich, nicht der Werkzeuganbieter.

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